Radstreifen: Schildbürgerstreich in der Karl-Marx-Straße

Radstreifen, auf dem selten jemand radfahren kann

Die jetzige Situation für Radfahrende auf der Karl-Marx-Straße ist blanker Hohn. Unterm Strich hat der fast 10-jährige Umbau der Karl-Marx-Straße (KMS) einen neuen Parkstreifen statt Fahrradwege geschaffen; eine Umverteilung des Platzes zugunsten des Radverkehrs hat effektiv nicht stattgefunden. Radfahrende finden dort keine sichere Infrastruktur, auf der sich auch Familien wohlfühlen – nicht nur hartgesottene Radfahrende. Wer mit dem Rad zur Arbeit, zur Kita, zur Bibliothek oder einfach zum Einkaufen auf die Karl-Marx-Straße möchte, ist nach wie vor gefährlichen Ausweichmanövern auf dem Radstreifen, plötzlichen Türöffnungen und dem Autoverkehr auf der Straße ausgesetzt. So sieht keine zukunftsfähige Radverkehrspolitik aus.


Video-Aufnahme des frisch eröffneten Radstreifens an der Karl-Marx-Straße am 2. Mai 2018 (50 MB)

Gute Rad-Infrastruktur statt punktueller Kontrollen

Gerade bei einem langen und teuren Umbau muss eine sichere und effektiv nutzbare Radinfrastruktur fester Bestandteil sein. Die Chance umzusteuern, sollte der Bezirk bei den noch kommenden Bauabschnitten unbedingt ergreifen. Im nördlichen Teil der KMS reicht der Straßenquerschnitt für eine breite und komfortable geschützte Radspur und zwei weitere Spuren. Auf der geschützten Radspur könnten Kraftfahrzeuge dann nicht mehr den Radweg zuparken, so dass die Sisyphos-Arbeit des Ordnungsamtes dort nicht notwendig wäre. Links daneben kann entweder eine Lieferzone installiert werden oder es bleibt bei zwei Fahrstreifen, so dass – wie bisher – auch der eine davon als illegale Liefer- und Kurzzeithaltezone benutzt wird. In diesem Fall würde das Problem „Zweite-Reihe-Parker“ nicht mehr zu Lasten der ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen wie Radfahrenden gehen. Dies könnten Bezirk oder Senat im Übrigen auch unter Beachtung der feuerwehrrechtlichen Anforderungen sofort anordnen.

Ein Radweg für die Karl-Marx-Straße, der den Namen verdient hat

Wir fordern Bezirk und Senat dazu auf, die Situation für Radfahrende auf allen Magistralen Neuköllns tatsächlich zu verbessern, statt weiter mit Pinselstrichen auf der Straße eine Sicherheit vorzutäuschen, die effektiv nicht vorhanden ist. Weiße Farbe ist keine Infrastruktur. Und ein Radstreifen, den vor allem als Parkstreifen verwendet wird? Das hätte schon den mittelalterlichen Schildbürgern einfallen können.
 

2 comments on “Radstreifen: Schildbürgerstreich in der Karl-Marx-Straße”

  1. Pete Antworten

    Ich bin gerade (Sonntag Abend 10.6, gegen 22 Uhr) die kms langgefahren, fast der gesamte Radstreifen war zugeparkt. EIn Witz. Was wird unternommen? Poller, Tauschen der Parkbuchten mit dem Radstreifen?

  2. Bea Antworten

    Horror Karl-Marx-Straße: Einschulung: Die erste Woche mit der 6jährigen Tochter zur Evangelischen Schule Neukölln war von so vielen Gefahr-Situationen geprägt. Der Fußweg der Karl-Mary-Straße ist wegen der Baumaßnahmen auch kaum zu befahren, die Baggerfahrer überfordert, man geht und fährt unter der Kranschaufel hindurch… wo sind die Ordnungskräfte, ein Leitsystem, Fahrradwege vor den Schulen?

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