PopUp-Radwege – Mehr Platz für Rad und Fußverkehr in Neukölln

In Friedrichshain-Kreuzberg gibt es sie schon, PopUp-Radwege, die sicheres Radfahren in Zeiten von Abstandsgeboten ermöglichen.

Das wollen wir natürlich auch für Neukölln und haben das Bezirksamt und Herrn Hikel in einem Brief aufgefordert, gemeinsam mit dem Senat zu handeln und temporäre Radstreifen auszuweisen. Diese können mit Piktogrammen und Baustellenbaken markiert bzw. geschützt werden. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg haben sich die ersten temporären Pop-up Bike Lanes bewährt, werden von den Radfahrenden dankend genutzt und von der Öffentlichkeit stark positiv aufgenommen.

Das Coronavirus stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten, gilt es Menschenansammlungen zu meiden. Dazu zählt auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Im Bezirk Neukölln, in dem die Hälfte der Haushalte über kein Auto verfügen (Mobilität in Städten – SrV 2018) – in Nord-Neukölln ist es vermutlich die Mehrheit, stellt der Radverkehr in diesen Tagen für viele die notwendige Mobilität auf dem Weg zur Arbeit oder zum Lebensmitteleinkauf sicher. Gleichzeitig verfügen nur wenige Haushalte über großzügige Balkone oder private Freiflächen. Daher sind jetzt Maßnahmen für Flächengerechtigkeit und Bewegungsfreiheit für große und kleine Menschen im öffentlichen Raum wichtiger denn je. Dass diese Maßnahmen schon jetzt viele fordern zeigt die bundesweite Petition für #FaireStraßen. Bewegung an der frischen Luft mit entsprechendem Abstand zueinander schützt vor Infektionen, stärkt das Immunsystem und hilft die Verbreitung des Virus zu unterbinden. Insbesondere alte und vorerkrankte Menschen sind auf diesen Schutz angewiesen. Durch die Coronakrise nehmen wir immer mehr neue und unsichere Radfahrende im Verkehr wahr. Der Radverkehrsanteil wird sich weiter deutlich erhöhen, wenn dafür die notwendige Infrastruktur geschaffen wird.

Folgende Straßen brauchen temporäre Radinfrastruktur; unsere konkreten Vorschläge:

  • Hermannstraße:
    Als Orientierung für die Maßnahmen können hier die bestehenden Planungen für die zukünftige Radinfrastruktur in diesem Bereich dienen.
  • Sonnenallee
    Einrichtung einer temporären gemeinsamen Bus- und Radspur zwischen Hermannplatz und S-Bhf. Sonnenallee sowie Planetenstr. und Baumschulenstr.

Auch der Aufenthalt im öffentlichen Raum soll in den Nebenstraßen und Plätzen verbessert werden. Für diese Räume sollen folgende Veränderungen vorgenommen werden:

  • In folgenden Bereichen sollen die Fahrbahnen auch durch zu Fußgehende nutzbar sein:
    Weserstr., Schillerpromenade, Richardstr., Emser Str., Wissmannstr., Herrfurthstr., Weichselstr., Reuterstr. (Weserstr. – Maybachufer) u.ä.
  • Folgenden Straßen sollen zu temporäre Fahrradstraßen gewidmet werden:
    Donaustr., Friedelstr., Ilsestr., Thomasstr., Reuterstr. (Flughafenstr.-Weserstr.), Bürknerstr., Maybachufer u.ä.
  • Straßenabschnitte sollen temporär für den Autoverkehr geschlossen werden, um die Möglichkeit des Aufenthalts im Stadtraum mit ausreichendem Abstand zu gewährleisten. Wir schlagen folgende Abschnitte ohne direkte Anwohner*innen vor: Weigandufer (Truse-Rosegger u. Treptower-Thiemannstraße), Pflügerstraße (zw. Campus-Rütli und Sportanlagen), Donaustraße (Rosegger-Treptower Straße) u.ä.

Durch den verringerten Autoverkehr haben die Geschwindigkeiten im Mittel deutlich zugenommen und damit auch die Gefahrenlage für Radfahrende. Außerdem gibt es einen Anteil an rasenden Autofahrenden, die aktuell kaum noch durch die Verkehrslage ausgebremst werden. Dies kann zu extremen Gefährdungen führen. Wir beobachten (neue) Radfahrende auf Gehwegen besonders an Hauptstraßen, da sie sich nicht auf die Fahrbahn trauen. Ausreichendes Abstandhalten zu anderen Personen ist so nicht möglich. Insbesondere in einer Phase, wenn das Alltagsleben wieder aufgenommen wird, die Straßen wieder voller werden aber weiter große Versammlungen und menschliche Nähe wie bei der ÖPNV-Nutzung, vermieden werden sollen, werden die vorgeschlagenen Maßnahmen große Bedeutung haben.

Die temporäre Schließung von ausgewählten Kiezstraßen für den motorisierten (Individual-)Verkehr wirkt auch über die genannten Abschnitte und den reinen Mobilitätsaspekt hinaus. Gerade Kindern und Jugendlichen wird so die wichtige Stillung ihres natürlichen Bewegungsdrangs auch in unseren hochverdichteten Stadträumen bei Einhaltung der notwendigen Abstandsregeln ermöglicht. Einer wohlwollenden Prüfung und zeitnahen Umsetzung unserer Vorschläge sehen wir freudig entgegen.

Wir würden uns freuen wenn Neukölln als weiterer Bezirk mit temporären Maßnahmen in der Umgestaltung von Straßenräumen während der Coronakrise rasch nachzieht und sich weiterhin als progressiver Bezirk für eine nachhaltige urbane Mobilität darstellt. 

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für Sie und Ihre Mitarbeiter*innen 

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