Stellungnahme zur Sofortmaßnahme “Hermannstraße”

Sich plötzlich öffnende Autotüren sind der Alptraum eines jeden Radfahrenden, gehören bisweilen jedoch zur Realität in Neukölln. Die fehlende sichere Radinfrastruktur in fast gesamt Nord-Neukölln führt zu täglichen Beinahe-Unfällen und im letzten Monat sogar zu einem tödlichen Unfall auf der Hermannstraße. Die angekündigte Sofortmaßnahme an der Unfallkreuzung, also die Verlängerung der seitlichen Aufstellfläche vor der Ampel, ist in keiner Weise dazu geeignet, Radfahrende zu schützen. Vor und nach der Aufstellfläche fehlen jegliche Markierungen für den Radverkehr und überall können Zweite-Reihe-Parker*innen ungehindert stehen.

Selbst erfahrene und selbstbewusste Radfahrer*innen, die den geforderten Abstand von 1,5 Metern zu den seitlich parkenden Autos einhalten, werden bei Zweite-Reihe-Parker*innen häufig dazu gezwungen, mit weniger Abstand das Auto zu umfahren und sich damit in die tödliche Gefahr eines sogenannte “Dooring”-Unfalls zu begeben. Ganz zu schweigen von den vielen Radfahrenden, die sich nicht trauen, jeden Tag in den Konflikt mit den Autofahrenden zu gehen, weil diese sich provoziert fühlen, wenn man nicht in der Gefahrenzone fahren will.

Was also muss die Konsequenz sein? Dass die Hermannstraße nicht ohne eine Planung durch SenUVK, VLB und Bezirk einfach umgebaut werden kann, ist völlig klar. Dass bedeutet jedoch vor allem, dass die Entscheidungen für eine entsprechende Planung jetzt getroffen werden müssen und der politische Wille für sichere Radinfrastruktur sich in der Planung zeigt! Vor allem bedeutet es aber auch, dass man dort, wo die Entscheidung gerade ansteht, die richtigen Weichen stellt.

In den nächsten Wochen wird Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey entscheiden, welche Art von Radinfrastruktur der Bezirk auf der Karl-Marx-Straße möchte: einen attraktiven 3 Meter breiten, geschützten Radstreifen, den auch Kinder und Gelegenheits-Radfahrende sicher nutzen können oder der ständig zugeparkte Radangebotsstreifen, der Dooring-Unfälle in keiner Weise verhindert.

Frau Giffey hat nach dem Unfall den politischen Willen für mehr Sicherheit im Radverkehr geäußert. Wir werden die Ernsthaftigkeit dieser Aussage an ihren Entscheidungen zur Karl-Marx-Straße in den nächsten Wochen messen. Alle drei Magistralen brauchen sichere Radinfrastruktur, bei der ständiges Zuparken nicht mehr möglich ist und sich öffnende Autotüren nicht mehr zu lebensgefährlichen Situationen führen. Wir fordern Bezirk und Senat auf hier sofort aktiv zu werden und unverzüglich mit der Planung zu beginnen!

Und noch was: wenn selbst der ADAC – wie kürzlich geschehen – Radwege an Hauptverkehrsstraßen fordert, kann doch wirklich kein Zweifel mehr bestehen, dass solche Maßnahmen für alle Verkehrsteilnehmer*innen gut sind.

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