Rückblick zur Radtour und Podiumsdiskussion vom 6. März 2017

„Da steigt schon ein bisschen der Puls.“

Pünktlich zum Feierabendverkehr in Neukölln haben wir uns mit der Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey und dem Staatssekretär für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Jens-Holger Kirchner aufs Fahrrad gesetzt. Vom Hermannplatz aus ging es über die Hauptmagistralen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee hin zum Böhmischen Platz, wo Aktive der Bürgerinitiative „Mehr Kiez für Rixdorf“ den Politiker*innen die Situation rund um den historischen Richardplatz erklärten. Im Anschluss trafen wir uns zu einem Podium, wo Carolin Kruse vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln mit Giffey und Kirchner die bezirkliche Umsetzung des anstehenden Mobilitätsgesetzes diskutierte. Die Moderation übernahm Thomas Lindemann, der das erste Wort an die Bezirksbürgermeisterin gab, die die hinter ihr liegende Radtour mit den Worten „da steigt schon ein bisschen der Puls“ kommentierte. Außerdem könne man nicht davon sprechen, dass es in der Karl-Marx-Straße fahrradfreundlich sei.

Hermannplatz – Karl-Marx-Straße – Erkstraße – Sonnenallee – Richardplatz – Prachtwerk

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#Neuköllndrehtsich

Staatssekretär Kirchner, zuvor Stadtrat für Stadtentwicklung im Bezirk Pankow, sieht die Fahrradpolitik an einem Punkt, der vor fünf oder zehn Jahren noch undenkbar gewesen sei. Mit zusätzlichen finanziellen und personellen Mitteln sei es Ziel, die Hauptverkehrsstraßen bis 2021 mit Radverkehrsanlagen auszustatten. „Da wird natürlich die Hermannstraße und auch die Sonnenallee […] einen deutlichen Schwerpunkt bilden.“ Das Radgesetz (Mobilitätsgesetz), das aktuell verhandelt wird, soll die gesetzliche Grundlage auf Landesebene schaffen, denn der Radverkehr dürfe nicht an den Bezirksgrenzen zum Stocken kommen. „Da freue ich mich natürlich – Chapeau -, dass der Bezirk Neukölln gerade im Begriff ist, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen.“ Mit dem Hashtag #Neuköllndreht hat sich das Netzwerk deshalb den Claim des Volksentscheid Fahrrad, der die Verhandlungen zum Radgesetz initiiert hat, bewusst aufgenommen.

18 Prozent Radverkehr in Neukölln nicht wegen sondern trotz der Infrastruktur

Eine Verkehrswende, so Kruse, schaffen wir nur durch eine autoärmere Stadt. Es geht darüber hinaus um Klimaziele und Feinstaubziele; Neukölln liegt bundesweit ständig mit zwei Straßen in der Top 10 der am meisten mit Feinstaub belasteten Straßen, hat aber mit den stärksten Zuwachs durch Verkehr aus dem Umland. Fehlendes Parkraummanagement macht die Zufahrt über Neukölln besonders attraktiv. Dem Statement der Bezirksbürgermeisterin „wir haben einfach diesen Verkehr“ entgegnet Kruse: „Warum sollte der SUV mit seinem Kind sicher fahren dürfen und Frau oder Mann mit seinem Kind (auf dem Rad) nicht?“

Auftakt für weitere Gespräche

An die 100 Leute kamen zu der Veranstaltung ins Prachtwerk. Wir nehmen Folgendes daraus mit: die Senatsebene ist gewillt den Bezirk sowohl planerisch als auch finanziell zu unterstützen. Die politisch bereits beschlossenen Dinge wie die Machbarkeitsstudien für Sonnenallee und Hermannstraße sollten daher möglichst bald in Auftrag gegeben werden. Denn wir sagen ganz klar: „Eltern müssen auch mit Kindern auf dem Rad sicher durch den Bezirk kommen. Nicht weniger darf der Anspruch sein, wenn man stadt- und umweltverträgliche und soziale Mobilität für alle möchte.“ Wir freuen uns über das Versprechen von Frau Giffey alles ihr Mögliche in diesem Sinne zu unternehmen und werden sie beim Wort nehmen. Ebenso freuen wir uns über den Paradigmenwechsel in der Senatsverwaltung, dass die Sonnenallee nicht alleine den fahrenden und parkenden Autos gehört. In diesem Sinne war die Veranstaltung nur der Auftakt zu weiteren Gesprächen. Wir bleiben jedenfalls dran!

Und wer die Veranstaltung verpasst hat, kann die Diskussion hier nachhören:
 

Fotos: © Norbert Michalke / Volksentscheid Fahrrad
 

1 comment on “Rückblick zur Radtour und Podiumsdiskussion vom 6. März 2017”

  1. Bernd Schwarz Antworten

    Die meisten SUV haben nur einen Fahrer und kein Kind. 2Tonnen Auto für eine Person aus dem Umland die in das Wohngebiet Innenstadt eindringt gehört erschwert, verteuert wenn nicht sogar verboten. Die in der Innenstadt wohnen müssen geschützt werden und der enge Raum muss optimal genutzt werden. DAS GEHT WEDER MIT EINEM AUTO IM FALSCHEN MAßSTAB NOCH MIT 2TAKT STICKER-MOTORROLLER

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