„Radlerhölle Hermannstraße“

Dringender Handlungsbedarf nach „Dooring“-Unfall

Viele tausend Radfahrende kennen das unangenehme Gefühl, wenn sie auf ihren täglichen Wegen die Hermannstraße entlang fahren. Auf der einen Seite dicht überholende Pkw und Lkw auf der anderen parkenden Autos, bei denen jeden Moment die Tür aufgerissen werden könnte. Die Mischung aus fehlender Radinfrastruktur, überbreiten Fahrspuren, Zweite-Reihe-Parkern und großzügigen, kostenlosen Parkplätzen führt zu gefährlichen Situationen oder wie erst kürzlich geschehen zu tödlichen Unfällen.

Dass dieser Zustand von den Verantwortlichen in Neukölln seit Jahren als quasi Naturgesetz angesehen wird, kann nicht weiter akzeptiert werden.

Mahnwache am 15. Juni 2017

Hermannstraße Mahnwache

© Katja Täubert

Für den 15. Juni um 18 Uhr rief das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln zusammen mit dem ADFC Berlin und dem Volksentscheid Fahrrad zu einer Mahnwache für den nach einem Türunfall („Dooring“) verstorbenen Radfahrer auf. Wir danken Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey für ihre Teilnahme an der Mahnwache am vergangen Donnerstag und für ihre Bereitschaft, sich den vielen Fragen und der offenen Kritik zu stellen. Ihrer Aussage, dass es politischen Willen zu Veränderungen auf der Hermannstraße gibt, müssen nun schnell konkrete Taten folgen.

Kostenlose Parkplätze dürfen nicht über Sicherheit gestellt werden

Eine Kernforderung des Netzwerk fahrradfreundliches Neukölln ist die Schaffung von sicherer Radinfrastruktur an allen Hauptstraßen in Neukölln. Diese Forderung wird von unseren vielen institutionellen Netzwerk-Mitgliedern, auch aus der Hermannstraße, unterstützt. Viele Gewerbetreibende und Einzelhändler haben längst erkannt, welche Vorteile in einer sicheren und attraktiven Radinfrastruktur liegen und dass dieses Gut über dem Erhalt von ein paar kostenlosen Auto-Parkplätzen steht – ganz besonders in einer so wertvollen innerstädtischen Lage.

Zusammen mit dem Netzwerk fahrradfreundliches Neukölln entwickeln zurzeit zwei Studenten im Rahmen ihrer Abschlussarbeit Varianten für eine durchgehende Radverkehrsinfrastruktur an der Sonnenallee und an der Hermannstraße. Außerdem haben wir einen konkreten und umsetzbaren Vorschlag für eine “Protected Bike Lane” auf der Karl-Marx-Straße entwickelt.

Wir setzen uns weiter für eine faire Verteilung des öffentlichen Raumes ein und fordern eine moderne und menschengerechte Verkehrspolitik für das wachsende Neukölln. Damit sich alle sicher und angstfrei auf unseren Straßen bewegen können und solche tragischen Ereignisse der Vergangenheit angehören.

 

 

Fotos: Katja Täubert

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